Die Zeit rennt, der letzte Monat bricht schon bald an..

Morgen bin ich seit genau 10 Monaten in Indien! Das Datum unseres Rückfluges steht schon seit Langem fest und rückt immer näher. Am 19. Juli geht es für uns Freiwillige aus Pune wieder zurück nach Deutschland. Wie schnell das alles vorbei geht ist echt unglaublich…

Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich es nicht auf die Reihe bekomme regelmäßig neue Blogeinträge zu schreiben! Heute gibt es endlich mal wieder ein Update von mir🙂

Die Maher-Kinder haben schon seit Ende April Sommerferien und diese Woche Mittwoch, am 15. Juni fängt die Schule wieder an. Viele Kinder sind über die Ferien zu ihrer Familie oder zu Verwandten gegangen. Die Kinder die keine Verwandtschaft haben, oder nicht über die Ferien dorthin können, dürfen die Ferienzeit in einem anderen Maher Haus verbringen. Im Sadabahar Haus wohnten über die Ferien deshalb andere Kinder als sonst, viele aus Mahers Hauptcenter in Vadhu Budruk. Wir haben viel gemalt und gespielt und sind nachmittags oft auf Spielplätze gegangen🙂

 

Da es über die Sommerferien keine Hausaufgaben zu tun gibt und auch nicht gelernt werden muss, sind wir Freiwillige nicht so sehr gefordert. Also: die beste Zeit um uns Urlaub zu nehmen!! Vom 22. April bis zum 6. Mai bin ich mit Vanessa, Lena und Mira (Lenas Freundin, die gerade einen Freiwilligendienst in Thailand macht) ein bisschen durch den Norden Indiens gereist. Wir besuchten die heilige Stadt Varanasi am Ganges, die Kamasutra Tempel in Khajuraho, den berühmten Taj Mahal in Agra, Amritsar mit dem goldenen Tempel der Sikh, Rishikesh am Ganges und zum Abschluss die Hauptstadt Delhi. Ich habe fest vor, darüber sehr bald noch einen Blogeintrag nachzureichen, denn die tollen Fotos möchte ich euch nicht vorenthalten🙂

Der indische Sommer war ziemlich heiß, eine Zeit lang waren es auch in Pune täglich um die 40 Grad Celsius. Die höchste Temperatur in Pune war glaube ich 43 oder 44 Grad. Im Bundesstaat Rajasthan jedoch wurde ein neuer Rekord von 51 Grad Celsius gemessen, gar nicht weit weg von Setrawa, wo andere Volunta Freiwillige leben.. Aufgrund der Hitze und da der letzte Monsun nicht sehr stark war, gab es aber auch in unserem Bundesstaat Maharashtra eine Wasserknappheit. Manche ländliche Regionen waren zeitweise nicht mehr mit Wasser versorgt, und auch in Pune wurde es immer knapper. In unserer WG hatten wir zeitweise nur noch morgens für wenige Stunden fließendes Wasser. Aber durch das Abfüllen in Eimer und sparsame Benutzung, konnten wir uns das Wasser für den Tag gut einteilen, was kein großes Problem war. Mittlerweile fängt langsam die Monsunzeit an, es hat schon ein paar Mal geregnet, vor allem nachts.

Vom 18. bis 20. Mai durften Vanessa und ich mit Sister Lucy, Gaus und Amol die Maher Häuser in Ratnagiri und Miraj besuchen. Beide Städte liegen noch in Maharashtra, nach Ratnagiri war es eine ca. siebenstündige Autofahrt. Da Ratnagiri am Meer liegt, sind wir an einem Nachmittag mit Sister Lucy und den Kindern alle zusammen zum Strand gefahren und haben uns im Meer erfrischt (alle Mädchen und Frauen natürlich vollständig bekleidet). Zudem haben wir auf dem Rückweg zwei ehemalige Maher Kinder besucht, die mittlerweile verheiratet sind.

 

Sooo, was ich euch noch erzählen wollte ist, dass Vanessa und ich vor kurzem nochmal spontan für zwei Wochen in Urlaub gefahren sind. Am Montagabend, 23. Mai ging es für uns über Nacht mit dem Sleeper Bus nach Hampi.🙂

 

Hampi

Zwei volle Tage hatten Vanessa und ich Zeit um zu Fuß und mit den gemieteten Fahrrädern die historische Stätte zu erkunden. Hampi liegt im Bundesstaat Karnataka und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Außer mit den unzähligen alten Tempeln und Ruinen besticht es auch durch seine atemberaubend schöne Landschaft! Der Fluss, die vielen Palmen, die grandiosen Felsformationen… aber seht selbst🙂

 

Goa

Am frühen Donnerstagmorgen ging es für Vanessa und mich mit dem Zug weiter nach Goa. Als ich im Oktober in Goa war, waren wir im Norden des Bundesstaats, dieses Mal ging es für uns in den Süden Goas. Unser Zimmer war direkt am Palolem Beach, wo bereits Konni, Aaron, Philipp, Justus und Neha auf uns warteten. Wir genossen drei wunderschöne Tage am Strand. Am Samstag mieteten wir uns Roller und besuchten auch den schönen Agonda Beach.

 

Gokarna

Am Sonntag reisten Vanessa und ich mit dem Zug weiter nach Gokarna, wo wir fünfeinhalb traumhafte Tage verbrachten. Gokarna liegt südlich von Goa, im Bundesstaat Karnataka. Das Örtchen ist zum Einen ein hinduistischer Wallfahrtsort und kann zum Anderen mit absoluten Traumstränden glänzen. Unser Zimmer war direkt am Kudle Beach, einer schönen Bucht. Wir mieteten uns für die Tage einen Roller und besuchten z.B. mehrfach den Om Beach und den Main Beach. Da wir in der Off-Season gereist sind, waren die Strände aber leider ziemlich verschmutzt. Am Mittwoch haben Vanessa und ich die Wanderung zum versteckten Paradise Beach auf uns genommen, was bei der feuchten Hitze echt anstrengend war. (Vor allem weil wir zuerst einen falschen Weg gegangen sind…) Letztendlich hatte es sich aber echt gelohnt, da der einsame Strand seinem Namen alle Ehre macht. Am Donnerstagnachmittag hat es dann endlich geklappt: wir hatten unsere aller aller erste Surfstunde!! Die Cocopelli Surfschool am Mainbeach bietet Surfunterricht an, auch für absolute Einsteiger wie uns. Eineinhalb Stunden kämpften wir uns durch die Wellen, was mega anstrengend war aber auch wahnsinnig viel Spaß gemacht hat! Und das war sicherlich nicht das letzte Mal, es war so cool, jetzt will ich unbedingt weiterüben🙂

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Am Freitagabend ging es für Vanessa und mich dann im Sleeper Bus wieder zurück nach Pune.

 

Heute sind schon ein paar „meiner Kinder“ wieder zurück ins Sadabahar Haus gekommen, bald wird der Alltag wieder einkehren. Ich habe mich total gefreut sie nach eineinhalb Monaten wieder zu sehen. Ich werde die restlichen 5 Wochen noch voll und ganz genießen und will noch gar nicht an den Abschied denken..

 

Ihr werdet hoffentlich sehr bald wieder von mir hören!

Viele liebe Grüße, eure Anna-Lena ♥

 

Hoher Besuch: Papa und Jakob in Indien

1) Mumbai

Großes Wiedersehen am Flughafen

 

Erster Spaziergang durch den Stadtteil Colaba mit Gateway of India

 

Erstes indisches Mittagessen im Leopold Café in Colaba

 

Mumbais Wäschereiviertel Dhobi Ghat

 

Tolle Aussicht von den Hanging Gardens aus, auf Marine Drive und Chowpatty Beach

 

Sonnenuntergang am Chowpatty Beach

 

Bierchen am Abend

 

Zweiter Tag: Elephanta Island mit den 6 Höhlen die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören

 

Zugfahrt nach Pune

 

 

2) Pune

Shaniwar Wada Fort

 

Aga Khan Palace mit Mahatma Gandhi Museum

 

Ein Tag bei Maher🙂

 

Neerja_Poster

Kinobesuch: Hindi Film über Geiselnahme in Pan Am Flugzeug in Pakistan 1986, der Thriller ist nach der mutigen Stewardess „Neerja“ benannt

 

 

Jakob bei der Arbeit: Vanessa, Lena und ich bekamen unsere Haare geschnitten

 

Holi Festival

 

3) Jaipur

Im Flugzeug von Pune nach Jaipur

 

Das wunderschöne Vinayak Guesthouse

 

Abendessen auf der schönen Dachterrasse

 

Jaipurs Altstadt: The Pink City

 

Der wunderschöne City Palace

 

Jantar Mantar: historische astronomische Sternwarte des Maharaja Jai Singh II.

 

Hawa Mahal: Der Palast der Winde

 

 

Gatore Ki Chhatriyan: historisches Krematorium der früheren Herrscher Rajastans

 

Fortsetzung folgt …🙂

 

Waaaah, schon 6 Monate in Indien…

Heute vor genau 6 Monaten bin ich hier in Indien angekommen. Ich kann mich noch so gut daran erinnern wie aufgeregt ich war und wie neu und spannend alles für mich war am Anfang… Mittlerweile fühle ich mich aber total heimisch hier, in der WG, in unserem Stadtteil Koregaon Park und bei Maher. Was am Anfang noch fremd und ungewöhnlich war, ist mittlerweile schon ganz normal für mich geworden… Die Zeit ist so gerast! Und doch kommt es mir irgendwie so vor als ob ich schon viel länger hier bin, da ich schon so Vieles erlebt habe… Unsere erste kleine Reise nach Goa, dann die Reise nach Mumbai mit Vanessa, die wunderschöne Südenreise, die vielen Feste wie Ganesh Chaturthi, Diwali, Weihnachten und soo viele andere Festlichkeiten bei Maher..

IMG_1715

Die anderen Pune-Volunta-Freiwilligen sind zu meiner Familie hier geworden und mir kommt es irgendwie so vor, als würden wir uns schon seit vielen Jahren kennen.

DSC_0039 (2).JPG

Die Maher-Kinder aus dem Sadabahar Haus sind meine zweite Familie hier. Auch dort ist mir mittlerweile schon alles sehr vertraut. Ich kenne die täglichen Abläufe und die Kinder und fühle mich nicht mehr so „fremd“ und „anders“ als zu Beginn.

IMG_20150317_152756

Aber natürlich vermisse ich auch meine Familie und meine Freunde, die so weit weg sind.. So richtig schlimmes Heimweh hatte ich bis jetzt zwar noch nicht, aber es gibt immer wieder Momente, in denen ich meine Familie und Freunde gerne bei mir hätte. Sei es einfach nur zum Reden, für eine Umarmung oder weil ich ihnen am liebsten alles hier zeigen würde..

In knapp einem Monat werden mein Bruder und mein Papa mich besuchen kommen, worauf ich mich schon sehr sehr freue. Dann kann ich ihnen mein Leben hier in Pune zeigen, wie ich wohne, wo ich arbeite, meine kleine Welt hier. Und natürlich werden wir auch gemeinsam reisen. Geplant ist Mumbai, sowie das „Goldene Dreieck“: Jaipur, Agra und Delhi. Ich bin sehr gespannt wie sich die beiden in Indien schlagen werden..😀

Zudem ist auch schon eine Nordenreise gemeinsam mit Vanessa, Lena und Lenas Freundin Mira, die zur Zeit einen Freiwilligendienst in Thailand macht, in der Planung. Von Ende April bis Anfang Mai, wenn auch die Maher-Kinder Ferien haben, werden wir für zwei Wochen von Varanasi, über einige Zwischenstopps Richtung Himalaya reisen und dann von Delhi wieder zurück nach Pune fliegen. Flüge und Züge sind schon gebucht und die Vorfreude steigt!🙂

IMG_0593 (2)

Ab morgen werden wir Pune-Volunta- Freiwilligen für fünf Tage etwas außerhalb von Pune unser Zwischenseminar haben. Ich freue mich sehr darauf, mal wieder aus der Stadt raus zu kommen und mit den anderen Freiwilligen zusammen ein Paar schöne entspannte Tage zu verbringen. Eine Teamerin aus Deutschland kommt extra nach Indien um mit uns über die vergangenen sechs Monate zu sprechen. Wir werden bestimmt ganz viel reflektieren und uns vielleicht auch Ziele für die noch kommende Zeit hier in Indien setzen…

Ich freue mich jedenfalls seeehr auf alles was noch vor mir liegt und finde es sogar ein wenig traurig, dass ab jetzt die Monate rückwärts gezählt werden, bis es wieder zurück nach Deutschland geht. Ich habe in diesen sechs Monaten schon so viel erlebt und so viele tolle Erfahrungen sammeln dürfen, ich bin total gespannt was mich hier noch so alles erwartet..

Bis ganz bald, eure Anna-Lena🙂

 

 

 

 

Festliches Wochenende: Maher Day und Erstkommunion

Dieses Wochenende gab es gleich zwei Feste zu feiern bei Maher: Am Samstag wurde der 19. Geburtstag der Organisation gefeiert (der eigentlich schon am Dienstag, 2. Februar war). Und heute, am Sonntag fand die Erstkommunion von drei katholischen Maher Kindern statt.

Schon lange vorher hatten die älteren Mädels uns gefragt, ob wir schon wüssten was wir zum Maher Day anziehen würden.. Natürlich wollten sie dass wir an diesem besonderen Tag unsere Saris anziehen :) Und dazu gehört natürlich auch unbedingt schönes Mehndi (Henna). Monali (rechts auf dem Foto) hat das wirklich super gut drauf und hat mir und Therese am Freitag schöne Muster auf die Arme gezaubert.

Am Samstag kamen wir dann schon etwas früher nach Vadgaon Sheri, da wir helfen sollten den Raum für die Feier der Kommunion am nächsten Tag zu dekorieren. Die Vorbereitungen dafür waren schon in vollem Gange, es wurde geschmückt und das Essen wurde vorbereitet. Ungefähr um halb drei wurde Vanessa, Therese und mir dann geholfen die Saris zu wickeln. Wir bekamen sogar noch Schmuck ausgeliehen von einem der älteren Mädels, denn Sari tragen ohne Halskette geht einfach nicht.. Der Bus, der alle Maher Kinder der drei Häuser in Vadgaon Sheri, mitsamt Hausmüttern und Staff nach Vatsalyadham brachte, wo die Feier stattfand, hatte etwas Verspätung, weshalb wir uns die Zeit mit Fotosmachen vertrieben haben🙂

Die Geburtstagsveranstaltung in Vatsalyadham wurde wie üblich mit einem Tanz eröffnet. Auf die Begrüßung der Chief Gäste folgte eine Rede der Präsidentin von Maher, danach gab es weitere Tänze und die traditionellen Kokosnuss-Übergaben, womit besondere Gäste geehrt werden. Das Highlight der Veranstaltung war die Premiere der Dokumentation „Sister Heart“. Österreichische Filmemacher haben Sister Lucy Kurien, die Gründerin der Organisation Maher, begleitet und ihre Geschichte dokumentiert.

Den Trailer des Films findet ihr hier: https://vimeo.com/ondemand/sisterheart

Auf der gleichen Seite könnt ihr die Dokumentation auch kaufen und euch ganz ansehen, die Einnahmen gehen sogar zu 100% an Maher! Ich kann den Film wirklich nur empfehlen🙂

Nach dem Abendessen wollten wir eigentlich wieder mit den Kindern im Bus zurück nach Vadgaon Sheri mitfahren. Auf einmal waren aber alle schon verschwunden und als wir nach draußen kamen war unser Bus schon weg.. Wie bestellt und nicht abgeholt standen wir erstmal da, aber zum Glück hat uns dann noch ein Maher Jeep zurückgefahren, der sowieso Richtung Pune fuhr.

Am nächsten Morgen stand dann die Erstkommunion von Aster und Augustin aus dem Sadabahar Haus und Anuj aus dem Premsagar Haus auf dem Programm. Wir stießen nach der Kirche dazu, zur „Party“ im Premsagar Haus. Es gab natürlich einen Kuchen, der zusammen angeschnitten wurde und die Kommunionskinder wurden von Sister Lucy, ihren Müttern und Geschwistern traditionell damit gefüttert. Es wurden viele Fotos gemacht und es gab ein Buffet mit Südindischen Snacks🙂

 

Rückblick: Erstes Wochenende in Vadhu / Begrüßung bei Maher

Gestern vor genau 4 Monaten bin ich voller Vorfreude ins Flugzeug Richtung Indien gestiegen… Die Zeit ist richtig schnell vergangen und mittlerweile fühle ich mich schon richtig heimisch hier. Vor allem in unserer WG und in unserem Stadtteil Koregaon Park, aber auch im Sadabahar Haus und bei Maher ♥

Seit etwas mehr als 3 Monaten arbeite ich jetzt schon in meinem Projekt. Es wird also echt höchste Zeit dass ich euch hier mehr über meine Arbeit und die NGO Maher erzähle! Deshalb nun erst mal ein Rückblick gaaanz zum Anfang, als wir bei Maher begrüßt wurden und alles erklärt und gezeigt bekamen:

Am Mittwoch, den 26. August sind wir Maher-Freiwillige (Vanessa, Philipp, Justus und ich) zusammen mit unserer Mentorin Ilka zum aller ersten Mal nach Wadgaon Sheri gefahren, der Stadtteil von Pune, indem sich das Maher-Office, an welches das Haus Swagat angeschlossen ist, sowie die beiden Häuser Premsagar und Sadabahar befinden. Im Maher-Office trafen wir zum ersten Mal auf Sister Lucy Kurien, die Gründerin der Organisation. Sie ist eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit. Sie wirkt sehr weise und hat einen tollen Humor. Meistens ist sie sehr beschäftigt und hat viel um die Ohren, aber trotzdem sorgt sie sich um jeden. Sie meinte, dass wir jederzeit auf sie zukommen können, wenn es Fragen oder Probleme gibt. Beim ersten Kennenlernen und Chai-Trinken verkündete sie uns, dass wir über das Wochenende nach Vadhu Budruk fahren würden, um die Arbeit ihrer Organisation kennenzulernen. In dem kleinen Dorf Vadhu Budruk, etwas außerhalb von Pune, hat alles angefangen, dort befindet sich das aller erste Maher-Haus und heutiges Hauptcenter der Organisation. Nach dem Gespräch war ich total aufgeregt und freute mich auf die bevorstehenden Tage in Vadhu und darauf, endlich mit der Arbeit anfangen zu können.

Am Donnerstag, 27. August, trafen wir uns morgens wieder im Office und Mangesh, der heute 24 ist und selbst bei Maher aufwuchs, zeigte uns zuerst die anderen beiden Maher-Häuser im Stadtteil Wadgaon Sheri. Sadabahar und Premsagar liegen in der selben Straße, nur wenige Häuser voneinander entfernt. Sie sehen aus wie ganz normale Wohnhäuser und bestehen aus einer Hall, einer Küche, Badezimmer, Umkleidezimmer, noch einem großen Raum und Terrasse. Jedes Kind hat seinen eigenen Spind, in dem persönliche Gegenstände wie Zahnbürste, Seife, Kamm, Kleidung usw. aufbewahrt werden. Außerdem hat jedes Kind sein eigenes Bettzeug. Geschlafen wird auf Bastmatten auf dem Boden. Außer den Kindern leben jeweils auch zwei Hausmütter mit in den Häusern, die sich um die Kinder kümmern. Eine der beiden Hausmütter ist zudem auch fürs Kochen zuständig. Nach einer kurzen Besichtigung der beiden Häuser stiegen wir wieder ins Auto und machten uns auf den Weg nach Vadhu. Unterwegs hielten wir dann an einem Slum an. Ich hatte mir das Leben in einem Slum ganz anders vorgestellt und war ziemlich überrascht, dass es dort eine Stromversorgung gab, sogar eine eigene kleine Kirche und ein Kiosk. Einige Familien hatten eigene Fernseher und manche Häuser waren sogar aus Stein gebaut. Mangesh erklärte uns, dass die Menschen gerne hier lebten und glücklich seien, und deshalb auch nicht wegziehen wollten. Aber viele der Familien würden ihre Kinder nicht in die Schule schicken und ihr weniges Geld z.B. für Alkohol oder Zigaretten ausgeben. Da Bildung aber unglaublich wichtig ist und die Kinder ohne Bildung keine so tollen Zukunftsaussichten haben, hat Maher eine kleine Schule in dem Slum aufgebaut. Somit haben die Kinder aus dem Slum die Möglichkeit Bildung zu erlangen, ohne dass die Eltern dafür Geld bezahlen müssen.

DSC_0431

Als wir dann im Maher-Hauptcenter in Vadhu Budruk ankamen, wurden wir im dortigen Office mit Chai empfangen. Dann hat uns Mangesh unsere Nachtquartiere gezeigt und wir haben unser Gepäck dort abgelegt. Anschließend führte Mangesh uns über das ganze Gelände. Er zeigte uns die verschiedenen Häuser, den Prayer-Room, den Garten und die Maher-Produktion, wo Frauen und ältere Mädchen die Maher Produkte (unter anderem Stoff-Mäppchen, Taschen, Kerzen und Grußkarten) herstellen.

Danach gab es dann Mittagessen, was bei Maher immer total lecker ist! Es besteht meist aus Chapati (rundes, dünn ausgerolltes Fladenbrot, das aus Mehl, Wasser und etwas Öl hergestellt wird), Reis, Dal (leckere Soße mit gelben Linsen) und verschiedenes sehr lecker gewürztes Gemüse. Am Anfang war es noch ziemlich ungewohnt für mich ohne Besteck, nur mit der rechten Hand zu essen. Ich habe mich noch etwas ungeschickt angestellt und öfter gekleckert, doch mittlerweile ist es für mich schon total normal geworden…

Am Nachmittag fand dann eine Namensgebungs-Zeremonie für zwei kleine Babys statt. Es kommt ziemlich häufig vor, dass schwangere Frauen bei Maher Schutz suchen, da sie z.B. von ihrem Ehemann verlassen oder verstoßen wurden und sich und das Kind nicht selbst versorgen können. Die Zeremonie war sehr bunt, aber auch sehr emotional durch die schönen Gesänge und Gebete.

Am Abend gab es dann extra für uns vier deutsche Freiwillige eine „Happy-Welcome“- Zeremonie. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet und war deshalb sehr gerührt. Die Maher-Kinder haben für uns gesungen und gebetet, wir bekamen eine selbstgebastelte Blumenkette umgehängt und ein Mädchen führte ein traditionelles Segensritual durch, bei dem sie ein kleines Tablett auf dem eine brennende Ölkerze stand langsam vor uns in der Luft kreiste und uns dann mit roter Pulverfarbe einen Segenspunkt (Tika) auf die Stirn tupfte. Das war sehr besonders für mich, die Zeremonie und vor allem die Gesänge haben mich sehr berührt und ich freute mich sehr über die herzliche Begrüßung.

DSC_0475

Am nächsten Tag, Freitag, 28. August, gab es um 8:30 Uhr Frühstück, natürlich warm und herzhaft: Poha (spicy Reisgericht mit Erdnüssen, Koriander, …) und Uthappa (ähnlich wie Pfannkuchen, mit eingebackenem Gemüse) mit leckerem Kokos-Dip. Anschließend stiegen wir wieder mit Mangesh ins Auto und fuhren zu verschiedenen Häusern und Projekten von Maher.

In den einzelnen Häusern wurden wir meist mit Chai begrüßt und in fast jedem Haus sangen die Kinder „Happy Welcome“- Lieder für uns und führten das Segensritual (Ölkerze und roter Punkt auf Stirn) durch, das wir schon vom Vorabend in Vadhu kannten. Wir wurden durch die verschiedenen Häuser geführt, bekamen alles gezeigt und erklärt und redeten mit den Mitarbeitern und Maher-Kindern. Einige stellten sich selbst vor und vor allem die älteren Mädels, die ziemlich gut Englisch konnten, stellten auch uns viele Fragen z.B. über unsere Hobbys und unsere Heimat Deutschland.

Mangesh zeigte uns auch noch ein weiteres Slum-Projekt Mahers. In diesem Slum lebten hauptsächlich Familien, die sich ausschließlich durch Betteln über Wasser halten. Dieser Slum war nochmal ganz anders als der Slum, den wir am Vortag besucht hatten. Überall lag Müll herum, die Kinder sahen viel ungepflegter aus und manche waren völlig oder halb nackt. Ich erinnere mich an einen kleinen Jungen, der gerade so laufen konnte, der nur ein T-Shirt anhatte und in dessen verdrecktem Gesicht einige Fliegen saßen. Ich erinnere mich auch noch daran, wie schlecht ich mich als weißer Besucher dort gefühlt habe… Aber auch in diesem Slum gab es Häuser aus Stein, wieder besaßen einige Familien einen eigenen Fernseher und es gab eine Stromversorgung. Maher hilft den Menschen aus diesem Slum mit frisch gekochtem Essen und Bildung sowie Betreuung für die Kinder.

Um uns wieder auf andere Gedanken zu bringen und unsere Stimmung ein bisschen anzuheben, besuchte Mangesh mit uns anschließend einen schönen Tempel. Danach ging es wieder zurück nach Vadhu, wo um 19:30 wie jeden Abend das gemeinsame Gebet auf der Tagesordnung stand. Nach dem Abendessen fielen wir dann auch bald erschöpft in unsere Betten…

Am Samstag, 29. August, fand das hinduistische Festival Raksha Bandhan, was soviel heißt wie „schützende Verbindung“, statt. An diesem Tag bindet die Schwester ihren Brüdern ein gesegnetes Armbändchen, ein Rakhi, um, als Zeichen der besonderen Verbundenheit der Geschwister. Sie bittet ihn damit um seinen Beistand im Leben und darum, sie zu beschützen. Der Bruder überreicht ihr im Gegenzug ein kleines Geschenk. Somit versprechen sich die Geschwister füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen.

Auch bei Maher wurde natürlich Raksha Bandhan gefeiert. Nach dem Frühstück um 8:30 Uhr, startete um 9:00 Uhr die festliche Zeremonie. Zuerst wurde gesungen und gebetet, dann haben die Maher-Mädels den Jungs, ihren Maher-Brüdern, Rakhis um das Handgelenk gebunden. Justus und Philipp bekamen auch von ein paar Mädchen Armbänder umgebunden. Vanessa und ich durften die Zeremonie an Gästen (Spendern von Maher) durchführen. Zuerst kreist man mit dem Ölkerzen-Tablett langsam in der Luft, dann tupft man die rote Pulverfarbe auf die Stirn, dann streut man etwas Reis auf den Kopf, dann bindet man das Rakhi um das Handgelenk und zum Schluss gibt man noch eine Süßigkeit an den „Bruder“.

Nach der Zeremonie hatten wir etwas Freizeit und redeten und spielten mit den Kindern. Wir haben außerdem das Dorf Vadhu Budruk ein wenig erkundet, und dabei einen schönen Tempel und die relativ bekannte Statue von Sambhaji Maharaj gefunden.

Um 15 Uhr sind wir dann wieder zusammen mit Mangesh ins Auto gestiegen und nach Vatsalyadham gefahren. Dort ist ein ziemlich großes Maher-Haus mit schönem großem Garten und zugehörigen Feldern. Die Bewohner pflanzen ihr eigenes Gemüse an und es gibt sogar zwei Kühe.

Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes sind psychisch kranke Frauen untergebracht, die beispielsweise zuvor auf der Straße lebten. Im ersten Stock leben zudem einige Kinder. Auch die Frauen und Kinder in Vatsalyadham haben uns wieder sehr herzlich begrüßt. Wir bekamen nochmal eine selbstgemachte Blumenkette umgehängt und das Segensritual mit der brennenden Ölkerze und dem roten Farbpulver-Punkt auf der Stirn wurde wieder durchgeführt. Die Frauen und Kinder haben für uns Welcome-Songs gesungen und anschließend haben wir noch Chai getrunken. Dann wurden wir im Haus herumgeführt und bekamen alles gezeigt und erklärt. An das Hauptgebäude ist zudem auch ein Haus für ältere Frauen angeschlossen. Auch sie haben zuvor meist auf der Straße gelebt und können nun bei Maher einen schöneren Lebensabend verbringen. Es gibt auch ein Maher-Haus für ältere Männer ganz in der Nähe, das wir anschließend besuchten. Auf dem Rückweg nach Vadhu haben wir dann noch bei einem weiteren Kinderhaus gehalten, auch dort wurden wir herzlich begrüßt, wir wurden herumgeführt und uns wurde alles erklärt.

Den nächsten Tag, Sonntag, 30. August, haben wir komplett in Vadhu verbracht, haben den normalen Tagesablauf dort kennengelernt und einfach nur mit den Kindern gespielt.

Am Montag ging es dann im Laufe des Tages wieder zurück nach Pune, und der Dienstag, 1. September war schließlich unser erster richtiger Arbeitstag. Sister Lucy hat mich dem Sadabahar House zugeteilt, Vanessa und Philipp dem Haus Premsagar, und Justus arbeitet im Office mit und dem dort angeschlossenen Haus Swagat.

Wie es mir am Anfang in meinem Haus ergangen ist und wie der Tagesablauf in Sadabahar aussieht, werde ich euch ganz bald in meinem nächsten Blogeintrag berichten🙂

Viele liebe Grüße und eine schöne restliche Adventszeit! Eure Anna-Lena ♥

„Neun Nächte“, Goa und die Abschlepp-Geschichte

Hallo ihr Lieben!

Endlich habe ich mal wieder ein bisschen Zeit gefunden um einen neuen Blogeintrag zu schreiben.. Mir geht es sehr sehr gut hier in Indien und ich habe mich mittlerweile schon sehr gut eingelebt hier in unserer WG, in Pune und bei meiner Arbeitsstelle. Fast hätte ich geschrieben, dass so langsam der Alltag eingekehrt ist, aber das wäre falsch. Denn hier ist kein Tag wie der andere, ständig ist irgendetwas Anderes..

8-armed-durgaLetzte Woche wurde z.B. das hinduistische Festival „Navratri“, was soviel heißt wie „neun Nächte“, gefeiert. An neun aufeinanderfolgenden Abenden wurde die „Durga Puja“ durchgeführt, die Verehrung und Anbetung der Göttin Durga. Zudem wurde jeden Abend der traditionelle Tanz „Dandiya“ getanzt, bei dem man zwei Stöcke in den Händen hält und es verschiedene Schlagvariationen gibt. Am Donnerstag, dem zehnten Tag des Festivals, war dann der große Feiertag „Dussehra/Dasara“, bei dem der Sieg des Guten über das Böse gefeiert wird. Der Legende nach hat Göttin Durga neun Tage und Nächte gegen den bösen Dämon Mahishasura gekämpft und ihn am zehnten Tag schließlich besiegt und getötet.

DSC_1332Am Mittwochabend war ich zusammen mit Lena, Nadine und einigen ihrer Arbeitskollegen auf einer öffentlichen Dandiya Veranstaltung. Natürlich wurde getanzt, es gab eine Bühne mit indischer Livemusik, einige traditionelle Tanzgruppen und sogar Starbesuch von zwei sehr bekannten indischen Seriendarstellern.. Fast alle haben sich traditionell gekleidet und sich richtig herausgeputzt. Überall hat es kunterbunt gefunkelt und geglitzert, das sah echt richtig toll aus.

DSC_1338 (2)Auch bei Maher wurde der wichtige hinduistische Feiertag Dasara natürlich gefeiert. Es gab ein besonderes Mittagessen, wir haben gemeinsam gebetet und anschließend hat jeder für sich „böse Dinge“ auf einen Zettel geschrieben, z.B. schlechte Angewohnheiten die man hat, oder etwas „Schlechtes/Böses“ das man mal getan hat. Die Zettel wurden dann zerrissen und verbrandt, somit ist man die schlechten Dinge los.

DSC_1219Letztes Wochenende sind wir unsere erste kleine Reise angetreten. Am Freitagabend ging es für Vanessa, Justus, Philipp, Aaron, Konni und mich auf Richtung Goa! Weil es fast genauso teuer wie Busfahren war und um einiges praktischer, stressfreier und unkomplizierter, hatten wir uns für das Wochenende ein Auto mitsamt Fahrer gemietet. Nach ca. neun Stunden Fahrt kamen wir am Samstagmorgen in Baga Beach an. Mit etwas Glück haben wir gleich ein tolles Gästehaus am Strand gefunden für uns sechs Leute für eine Nacht. Erstmal gingen DSC_1171wir frühstücken (Foto: Aloo Paratha) und erkundeten die Gegend. Das Klima an der Küste ist ganz anders als in Pune, von der feuchten Hitze war man gleich komplett nass geschwitzt.. Danach ging es natürlich an den Strand. Nach einem kurzen Mittagsschlaf und einem gemeinsamen Mittagessen sind wir dann ein bisschen shoppen gegangen. Abends haben wir die Bars und Clubs von Baga Beach erkundet.

DSC_1152  DSC_1157

DSC_1163  DSC_1150

DSC_1167  DSC_1154

Nach einem Frühstück ging es am nächsten Morgen weiter nach Anjuna Beach, wo wir wieder zum Shoppen verleitet wurden und am schönen Strand die Sonne genossen. Nach dem Mittagessen fuhren wir noch zu einem dritten Strand, Vagator Beach, wo wir blieben bis es dunkel wurde. Nach einem traditionell südindischen Abendessen (Foto: Utthappa) ging es schließlich wieder zurück Richtung Pune.

DSC_1173  DSC_1176

DSC_1194  DSC_1205

DSC_1197  DSC_1187

DSC_1185  DSC_1207

DSC_1240  DSC_1227

DSC_1236  DSC_1246

Am Montagmorgen mussten Philipp und ich noch einmal zur FRO (Foreigners Registration Office / Ausländer-Registrierungs-Büro). Da wir bei der Registrierung am Anfang noch im Guesthouse gewohnt haben und unsere jetzige Adresse eingetragen werden musste. Und als wir uns nach dieser nervenaufreibenden Prozedur endlich auf den Rückweg machen wollten, … war unser Roller nicht mehr da!!! Erst dachte ich, dass er vielleicht geklaut wurde oder irgendwo anders hingestellt wurde und suchte ihn erst noch verzweifelt. Doch dann bemerkten wir an der Stelle, an der wir ihn abgestellt hatten, ein Kreidezeichen auf dem Boden. Das half uns zwar nicht großartig weiter, da es in Hindi oder Marathi geschrieben war, aber ließ uns erahnen was los war.. Dann klärte uns ein hilfsbereiter freundlicher junger Mann auf, der beobachtet hatte wie unser Roller abgeschleppt wurde. Er erklärte uns auch, zu welcher Polizeistation wir gehen müssen um ihn wieder zu bekommen. Jaaa, ich hatte hinter der Linie geparkt, die das Ende des Two-Wheeler-Parkplatzes markiert (und das obwohl Philipp mich davor noch darauf hingewiesen hatte..) Ich dachte dass das sowieso niemandem auffällt, und wenn, dann interessiert es bestimmt keinen.. aber da habe ich mich gründlich geirrt. Philipp und ich fuhren also mit der Riksha zur Polizeistation, doch da war der gute Roller nicht. Die Polizisten waren allerdings sehr freundlich und schrieben uns den Namen einer anderen Polizeistation auf. Also stiegen Philipp und ich wieder in eine Riksha und auf gings zur nächsten Polizeistation. Dort angekommen musste ich meinen Führerschein vorzeigen und 150 Rupien Strafe bezahlen. Das sind umgerechnet ungefähr 2€ .. 50 Rupien für das Abschleppen inklusive. Ich hatte mit viel mehr gerechnet und war einfach nur noch erleichtert, als wir endlich zu unserem Roller geführt wurden. Zum Abschluss wollte der Polizist, der meinen Namen so schön fand, unbedingt noch Fotos von Philipp und mir machen. Also grinsten wir schön mit den Abschleppern für die Fotos des Polizisten. Das war irgendwie ganz schön strange.. Ich war einfach nur froh, den Roller wieder zu haben und wollte ganz schnell weg!

Mir war noch nie zuvor so sehr bewusst gewesen, dass ich helle Haut habe, wie hier in Indien. Es ist wirklich krass wie viele Menschen ein Foto mit uns Freiwilligen machen wollen, nur weil wir weiß sind. Wir werden teilweise bevorzugt behandelt und dafür beneidet, dass wir hellhäutig sind. Sogar bei Maher hat ein Mädchen ihren Arm neben meinen Arm gehalten und gemeint, dass meine Haut viel schöner sei als ihre und dass sie auch weiße Haut haben möchte.. Ich habe mir noch nie zuvor in meinem Leben Gedanken darüber gemacht, aber hier schäme ich mich teilweise dafür, weiß zu sein. Ich fühle mich kein Stück als etwas Besseres und finde meine Haut nicht schöner als dunklere Haut. Das dieses Schönheitsideal hier so krass vorherrscht und auch durch die Medien so sehr verbreitet wird, hätte ich vorher nicht gedacht und finde ich wirklich schlimm..

Happy Ganesh Chaturthi!

sri-ganesh-chaturthiZur Zeit findet das zehntägige hinduistische Festival „Ganesh Chaturthi“ zu Ehren von Gott Ganesha statt. Vom 17. bis zum 27. September sieht man überall in der Stadt große, festlich geschmückte, öffentliche Ganesha Figuren, denen Gaben gebracht werden. Die Menschen machen Musik, singen, tanzen und beten zu den Götterfiguren. Viele gläubige Hindus haben auch ihre eigene kleinere Ganesha Statue zuhause, die an jedem dieser 10 Tage angebetet wird und der Gaben gebracht werden. Am letzten Tag des Festivals werden die Ganesha Statuen dann in einem Fluss oder See versenkt. Hier im Bundesstaat Maharashtra wird Ganesh Chaturthi besonders groß gefeiert. Ich freue mich schon auf die Umzüge durch die Stadt und die vielen kommenden Feste überall. Ich durfte auch schon an einer Puja, einem Gebetsritual teilnehmen und finde es toll, wie offen die Leute mit ihrer Religion umgehen und uns Fremden alles zeigen und mitmachen lassen. Ich finde auch toll wie bunt und fröhlich es bei den Gebeten zugeht. Die Ganesha Statue ist mit echten Blumenketten geschmückt, der ganze Raum ist bunt dekoriert, mit viel Lametta, Glitzer und buntem Licht. Dazu dürfen laute Musik aus den Lautsprechern und zuckersüße Süßigkeiten natürlich nicht fehlen.

Hallo ihr Lieben!

Erstmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich so lange nichts mehr hier von mir hören gelassen habe. Das liegt zum einen daran, dass so unglaublich viel passiert ist in den letzten Wochen (wir haben angefangen zu arbeiten, sind in unsere neue Wohnung umgezogen, …) und zum anderen daran, dass ich die ganze letzte Woche krank war und mich nicht dazu in der Lage gefühlt habe, um etwas für den Blog zu schreiben.

Um das gleich mal vorweg zu nehmen, ich hatte Dengue Fieber, eine Virusinfektion, die durch Moskitos übertragen wird. Ich hatte mehrere Tage lang hohes Fieber, mir war übel, ich konnte nichts essen und fühlte mich total schlapp. Gegen Ende kam noch ein rötlich gepunkteter Hautausschlag dazu… Ich war zuerst in einem sehr modernen Krankenhaus, wo trotz Bluttest jedoch nicht herausgefunden werden konnte was genau ich habe. Da ich nicht einfach so das verschriebene Antibiotika nehmen wollte, bin ich ein paar Tage später nochmal zu einem Arzt gegangen. Dieser war sehr kompetent und hat mich nochmal Blut abgeben lassen. Bei diesem Test wurde dann festgestellt, dass ich Dengue hatte. Der Arzt gab mir etwas gegen die Übelkeit und Paracetamol zum Fiebersenken, was ich allerdings gar nicht mehr gebraucht habe, weil mittlerweile das Fieber von selbst runter gegangen war… Er riet mir, mich zu erholen, viel Wasser zu trinken und zu versuchen kleine Snacks zu mir zu nehmen. Nach zwei Tagen sollte ich erneut Blut abgeben, um zu sehen ob es sich verbessert oder verschlimmert hat. Ich merkte aber selbst, dass es mir immer besser ging, und das sagten auch die Blutwerte. Langsam konnte ich wieder essen und fühlte mich nicht mehr so schlapp. Umso schlimmer fand ich es aber, alleine zuhause zu sitzen und so Vieles zu verpassen!! Z.B. nicht mit den anderen Freiwilligen und den Maher-Kindern Ganesha willkommen heißen zu können… Da wir aber am letzten Sonntag in unsere neue Wohnung gezogen sind, war ich mit Koffer auspacken und Schränke einräumen beschäftigt. Sobald es hier ein bisschen wohnlicher und aufgeräumter IMG_20150919_024945aussieht, werde ich euch ein paar Fotos von unserer tollen Wohnung hochladen🙂 Ich wohne hier mit meinen beiden Mitfreiwilligen Lena, die bei der NGO Connecting arbeitet, und Philipp, der auch bei Maher arbeitet, zusammen.

Heute habe ich noch ein letztes mal Blut abgenommen bekommen. Ich soll mich am Wochenende noch ausruhen und am Montag kann ich dann wieder arbeiten gehen.🙂

sr__lucy_kurienDie Gründerin und Chefin von Maher, Sister Lucy, ist am 10. September 60 Jahre alt geworden, was in Indien besonders groß gefeiert wird. Deshalb lud sie uns vier deutsche Maher-Freiwillige dazu ein, mit ihr den Vormittag zu verbringen und ihren Geburtstag zu feiern. Wir fuhren schon am Vortag nach Vadhu Budruk, einem Dorf außerhalb von Pune, wo das erste Maher Haus entstanden ist und sich heute das Hauptcenter befindet. Wir haben unser Quartier für die Nacht bezogen und dann gab es Abendessen. Daran nahmen auch zwei ältere deutsche Damen teil, die mit ihrem Verein für Maher Spenden sammeln und die extra zu Sister Lucys Geburtstag aus Deutschland angereist waren. Wir hatten sie schon am Nachmittag in Pune kennengelernt und ihnen unsere Häuser gezeigt. Bei diesem Zusammentreffen mit anderen „Deutschen“ ist mir aufgefallen, wie „normal“ hier in Indien schon alles für mich geworden ist. Manche Details, die die älteren Damen total schockierend fanden, sind mir gar nicht mehr aufgefallen und beim Essen war es schon ganz selbstverständlich für uns Freiwillige, kein Besteck zu benutzen, sondern mit der Hand zu essen…

Am Morgen von Sister Lucys Geburtstag, fand dann um sieben Uhr ein Gottesdienst statt. Alle hatten sich bei der Vorbereitung für diesen großen Tag sehr ins Zeug gelegt. Der Prayer Room war schön geschmückt, einige Mädchen haben Musik gemacht und wunderschön gesungen, einige hatten eine Ansprache vorbereitet. Anschließend folgte eine Zeremonie mit den Kindern in der großen Hall. Auch diesmal wurde gesungen, Kerzen angezündet und schließlich wurde die große Schoko-Geburtstagstorte angeschnitten. Eine Geburtstagstradition in Indien ist, dass das Geburtstagskind von den Gästen mit Kuchen gefüttert wird. Justus, einer meiner Mitfreiwilligen hat am selben Tag wie Sister Lucy Geburtstag und bekam ebenfalls einen Kuchen, inklusive Gefüttertwerden. Anschließend wurde noch viel gratuliert, dann gab es Frühstück und danach fuhren wir zurück nach Pune. Eigentlich sollten wir an diesem Tag ganz normal arbeiten, doch mir ging es schon den ganzen Morgen nicht gut und nach dem Frühstück und der Fahrt zurück nach Pune war mir so übel, dass ich nach Hause gegangen bin… Dort bemerkte ich dann dass ich Fieber hatte und den Rest der Geschichte kennt ihr ja bereits…

Ich hatte so ein schlechtes Gewissen als ich gefragt habe, ob ich nach Hause gehen kann, aber alle waren gleich besorgt um meine Gesundheit und meinten ich solle sofort ins Krankenhaus und mich danach zuhause ausruhen. Auch während ich krank zuhause lag, haben sich viele von Maher immer wieder nach mir erkundigt und mir eine gute Besserung gewünscht. Das hat mich echt überrascht und sehr gefreut. Auch meine Mitfreiwilligen haben sich ganz toll um mich gekümmert, sind mit mir ins Krankenhaus und zum Arzt gefahren und waren für mich da. Vielen Dank dafür!!🙂

Am Donnerstag dachte ich noch, dass es bestimmt nicht so tragisch ist und dass ich am nächsten Tag wieder fit wäre. Ich freute mich sehr auf die große Geburtstagsfeier von Sister Lucy, die die Kinder schon so lange vorbereitet hatten. Sie fand am Samstag den 12. September statt und es waren soo viele Gäste und Spender eingeladen, auch aus Europa und den USA. Uns allen war klar, dass es ein riesiges Event werden würde. Die Kinder haben so lange dafür geprobt und gebastelt und alle waren schon voller Vorfreude. Als ich am Samstag immer noch Fieber hatte und mir langsam klar wurde, dass ich bei diesem Event nicht dabei sein konnte, war ich ziemlich traurig. Ich finde es immer noch sehr sehr schade, es verpasst zu haben, aber ich war körperlich einfach nicht dazu in der Lage und es war gut dass ich mich ausgeruht habe. Bestimmt werde ich noch einige andere Feste mit Maher feiern können im Laufe dieses Jahres…

Wenn ihr lesen wollt, wie Sister Lucys große Feier war könnt ihr natürlich gerne die Blogs meiner Maher-Mitfreiwilligen besuchen, die Links findet ihr unter der Rubrik „andere Blogs“.

Bald wird ein ausführlicher Beitrag zu Maher und meinem Arbeitsalltag kommen🙂

Bis dahin, allerliebste Grüße aus Pune ♥

Tamhini Ghat

IMG_0034Am Sonntag haben wir an einem Ausflug des Cultural Center Pune teilgenommen. Alle Teilnehmer trafen sich schon um 6 Uhr morgens und fuhren anschließend mit dem Bus raus aus der Stadt. Nach ca. zwei Stunden Fahrt waren wir dann da und die Tour konnte starten. Wir wanderten aber nicht gemütlich auf irgendwelchen Straßen oder Wegen, sondern wurden querfeldein und über Trampelpfade geführt. Wir durchquerten zwei Flüsse und erklommen einige Hügel. Der Höhepunkt der Tour war ein „geheimer“ Wasserfall, den man von keinem Weg aus sehen oder erreichen kann. Da gerade Monsunzeit ist, sieht alles wunderschön grün aus, alle Pflanzen blühen, es ist einfach traumhaft! Aber Monsunzeit bedeutet eben auch, dass es immer wieder heftig anfängt zu regnen. Deshalb waren wir trotz Regenjacken bald alle komplett durchnässt… Dies tat unserer guten Laune allerdings keinerlei Abbruch! Wir genossen die atemberaubende Landschaft und die Stille der Natur, nach den 10 Tagen Stadttrubel in Pune..

IMG_0006  IMG_0007

IMG_0013  IMG_0016

IMG_0019   IMG_0089   IMG_0026

IMG_0038   IMG_0043

IMG_0047   IMG_0058

IMG_0066   IMG_0081

IMG_0073   IMG_0092

IMG_0094   IMG_0099

IMG_0097   IMG_0106   IMG_0112

IMG_0105  IMG_0127

IMG_0123   IMG_0128   IMG_0133

IMG_0138

Erste Tage in Pune / On-Arrival-Seminar

Tag 1

Als am ersten Tag mein Wecker nach weniger als drei Stunden Schlaf klingelte, hatte ich zuerst natürlich gar keine Lust aufzustehen. Doch als mir dann langsam bewusst wurde, dass ich in Indien war, freute ich mich richtig auf den Tag und all das Neue, das es zu entdecken gab. Da wir nachts bei Dunkelheit ankamen, habe ich nur sehr wenig von der Umgebung sehen können und war deshalb sehr gespannt, wie alles bei Tageslicht aussehen würde. Die vielen verschiedenen ungewohnten Geräusche, die in unsere Wohnung drangen, wie z.B. die vorbeifahrenden Fahrzeuge, lautes Hupen, Hundegebell, … machten mich noch neugieriger. Als wir schließlich auf die Straße traten, um zum Treffpunkt im anderen Guesthouse zu gelangen, war ich zuerst überrascht, wie grün und „aufgeräumt“ unsere Straße wirkte. In Lane 5 ist nicht sehr viel Verkehr, die meisten Gebäude sind Wohnhäuser und es gibt viele Bäume und Pflanzen. Was mich anfangs allerdings sehr verunsicherte, waren die vielen Straßenhunde, die einfach auf dem Gehweg liegen und sich meist nicht einmal bewegen, wenn man vorbeiläuft.IMG_0208 (3) Ich hatte zuerst etwas Angst, dass sie aggressiv und angriffslustig sein könnten. Jedoch habe ich hier bisher noch nichts in der Art erlebt. Ganz im Gegenteil. Die Straßenhunde sind teilweise sehr scheu und haben manchmal eher Angst vor uns Menschen. Einige sind auch sehr zutraulich und lassen sich gerne streicheln. Auch mein Vorurteil, dass Straßenhunde sehr ungepflegt und heruntergekommen aussehen, hat sich nicht wirklich bestätigt. Die Hunde sehen eigentlich ganz „normal“ aus, wie manche Haushunde in Deutschland. Vereinzelt tragen die Straßenhunde sogar Halsbänder. Unsere Mentorin Ilka hat uns erzählt, dass einige Anwohner_innen sich regelmäßig um die Hunde kümmern und ihnen sogar Futter bringen.

Ilka erwartete uns schon auf der Dachterrasse des anderen Guesthouses, mit Bananenbrot und Keksen zum Frühstück. Die Managerin der Gästehäuser, Chandra, hatte Chai für uns alle gekocht und wir saßen gemütlich im Sitzkreis auf Teppichen auf dem Boden. Gleich am ersten Tag musste mit Chandra und dem Besitzer der Gästehäuser, auch schon der erste Papierkram für unsere bevorstehende Registrierung geregelt werden. Danach starteten wir das On-Arrival-Seminar mit Ilka. Sie wohnt schon seit 5 Jahren in Pune und kennt sich deshalb ziemlich gut aus. Sie hat am Goethe-Institut in Pune Deutsch unterrichtet und währenddessen ihren jetzigen Mann kennengelernt. Da sie selbst aus Deutschland kommt, weiß sie genau was am Anfang für uns wichtig ist zu wissen. Sie gibt uns viele hilfreiche Tipps mit auf den Weg und ist bei Fragen und Problemen unsere Ansprechpartnerin hier vor Ort.

Zum Mittagessen gingen wir zusammen mit Ilka ins Restaurant „Yogi Tree“. DSC_0185Sie konnte uns mit den noch fremden Namen der Gerichte weiterhelfen und die ein oder andere Empfehlung aussprechen. So auch für „Sweet Lime Soda“, was zu meinem Lieblingsgetränk hier geworden ist, weil es so spritzig und erfrischend schmeckt. Es setzt sich aus ausgepressten Limetten, Soda und Zucker zusammen. Es gibt auch die salzige Variante, da wird anstatt Zucker Salz hineingetan. Bestellt man nicht ausdrücklich SWEET Lime Soda, kann einem das durchaus zum Verhängnis werden… gell Vanessa?🙂

Von „Yogi Tree“ zurück zum Guesthouse sind wir dann zum allerersten Mal mit der Rikscha gefahren. Motorrikschas sieht man hier an jeder Straßenecke und natürlich auch überall auf den Straßen unterwegs. Rikschafahren ist eigentlich nicht sehr teuer. Jedoch muss man schon aufpassen, dass man nicht übers Ohr gehauen wird. Viele Rikschafahrer machen nicht von sich aus das Meter an, sondern nennen einfach einen Preis für die Fahrt. Dann kann man natürlich handeln, oder man bittet am besten vor der Fahrt darum, dass das Meter eingeschaltet wird. Eine Rikschafahrt innerhalb von Koregaon Park kostet meist nicht mehr als 30 Rupien meinte Ilka. DSC_0187Das sind ungefähr 40 Cent. Doch sobald es dunkel wird, verlangen die meisten Rikschafahrer einen „Nachtzuschlag“, da kann es schon sein dass gleich 100 Rupien verlangt werden.. Hat man einen Preis ausgehandelt, kann es auch schon losgehen. Wie schon die nächtliche Autofahrt, war auch die erste Fahrt mit der Rikscha sehr abenteuerlich. Denn auch hier wird natürlich kräftig gehupt und überholt. Im Trubel des Stadtverkehrs, mit den vielen Rollern, Motorrädern, Fahrrädern und Fußgängern, gehört eben auch die ein oder andere Vollbremsung einfach dazu.

Deshalb hatte ich anfangs auch sehr viel Respekt davor, die vielbefahrenen Straßen zu überqueren. Aber man muss einfach mutig sein und sich trauen, ansonsten steht man ewig an der Straße..

Tag 2

DSC_0193 (2)An unserem zweiten Tag, kochte Chandra für uns das traditionell indische Frühstück „Poha“. Es setzt sich unter anderem aus plattgedrücktem Reis, ganzen Erdnüssen, frischem Koriander und grünen Chilis zusammen und schmeckt seeehr gut und schön spicy. Allerdings war es für uns ziemlich ungewohnt morgens so etwas Herzhaftes und Mächtiges zu frühstücken..

Im Seminar haben wir unter anderem über die Themen Gesundheit, Sauberkeit, Reisen, anderes Geschlecht, Drogen, … gesprochen.

DSC_0215Zum Mittagessen gingen wir ins Restaurant „Kalyani Nagar Veg.“. Ilka hat für uns alle verschiedene indische Gerichte bestellt, die wir uns alle teilten. So konnten wir von allem probieren und wussten z.B. was Dal (Linsen), Palak (Spinat) und Paneer (eine Art indischer Käse) sind. Dazu gab es Reis, Naan und Chapati (indische Brotsorten). Das Essen war so unglaublich lecker und so vielfältig. Und alles vegetarisch!!

Während des Seminars hat Ilka uns auch einigen Leuten vorgestellt, denn Connections sind in Indien das A und O…DSC_0236 (2)

Gegen Abend hatten wir im Rahmen des Seminars unsere erste Hindi-Stunde. Wir lernten verschiedene Begrüßungsformeln, einige Grundwörter, etwas über uns selbst zu sagen und uns selbst vorzustellen.

Anschließend hatten wir eine Yogastunde auf der Dachterrasse.

Danach haben wir noch ein wenig unsere Umgebung erkundet und zu Abend gegessen.

Tag 3

IMG_9953Am Sonntagmorgen haben wir uns um sieben Uhr im Stadtteil Camp getroffen, um an einer geführten Walking Tour durch den Stadtteil teilzunehmen.

Camp ist nochmal ganz anders als Koregaon Park. KP ist sehr westlich geprägt und auch eine eher wohlhabendere Gegend. In Camp ist die Armut sehr viel präsenter. Während der Tour sind uns auch einige kleine Kinder gefolgt, die Jüngsten waren vielleicht zwei Jahre alt. Sie streckten ihre Händchen aus, deuteten mit der Hand zum Mund und zupften an unseren Hosenbeinen. Ilka hat vorher mit uns darüber gesprochen und gemeint, dass man Kindern am besten nie Geld geben sollte. Manchmal stecken organisierte Banden dahinter und die Kinder haben nichts von dem Geld. Deshalb ist es besser, Kekse oder Bananen dabei zu haben, die man ihnen schenken kann. Ilka gab den Kindern eine Banane, sie haben sich sehr gefreut und sie gleich gegessen. Das zu sehen hat mich sehr nachdenklich gemacht..

IMG_9944   IMG_9941

IMG_9967   IMG_9965

IMG_9969   IMG_9958

DSC_0272    DSC_0278

Was mich sehr beeindruckt hat war, dass es in Pune so viele verschiedene Religionen zu finden gibt, die friedlich nebeneinander existieren. Bei der Tour sind wir nicht nur an einem Hindu-Tempel vorbeigegangen, sondern auch an einem Jainistischen Tempel und einer katholischen Kirche. IMG_9975Wir haben eine Synagoge besucht und der Manager des Feuertempels in Pune hat uns einiges über seine Religion erzählt. Sie wird Zoroastrismus, Zarathustrismus, Mazdaismus oder auch Parsismus genannt und entstand zwischen 1800 vor Christus und 600 vor Christus im heutigen Afghanistan. Heute leben die meisten Anhänger_innen dieser Religion in Indien, den USA und im Iran. Ich hatte zuvor noch nie etwas über diese seltene Religion gehört und war umso mehr beeindruckt und begeistert von deren Philosophie. Die Religionsangehörigen beten die vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft) an. Das Feuer ist das Mächtigste der vier Elemente, da es nicht verschmutzt werden kann. Es hat eine reinigende Wirkung, weshalb auch im Tempel ein Feuer brennt.

Der Manager des Feuertempels erzählte uns die Geschichte, wie die Parsen vor vielen, vielen Jahren nach Indien gekommen sind. Da Inder und Parsen nicht die gleiche Sprache sprachen, holten die Inder ein volles Glas Milch und kippten noch mehr Milch hinein, sodass die Milch überlief. Damit wollten sie den Parsen klar machen, dass kein Platz für sie war im Land. Die Parsen streuten jedoch dann Zucker in das randvolle Glas Milch, der löste sich in der Milch auf und diesmal lief das Glas nicht über. Die Parsen zeigten so, dass sie in Indien wie Zucker in der Milch wären. Sie versüßen und bereichern die indische Kultur und bringen diese nicht zum Überlaufen. Daraufhin durften sie ins Land einreisen. Ich mag diese Metapher sehr, gerade weil sie auch auf viele andere Situationen sehr gut passt… Was mich außerdem sehr zum Nachdenken anregte war, dass der Managers des Feuertempels uns mit auf den Weg gab, dass wahres Glück nur von innen, von uns selbst kommen kann. Er meinte, dass Erwartungen, die wir an andere haben, uns enttäuschen und unglücklich machen können. Deshalb ist es besser, keine Erwartungen an andere zu haben und somit sein Glück nicht von anderen abhängig zu machen. Glück hängt von positiven Gedanken ab, denn das es liegt nur in uns selbst, man hat sein Glück also selbst in der Hand…

An der Walking Tour nahmen nicht nur wir teil, sondern auch einige andere Leute, mit denen wir gleich ins Gespräch kamen und die sich sehr für uns und unsere Arbeit in Indien interessiert haben. Einige konnten sogar ziemlich gut deutsch, was in Pune nicht selten vorkommt, meinte Ilka. Die Offenheit hat mich überrascht, aber sehr gefreut. Obwohl wir uns eigentlich kaum kannten, haben uns zwei Teilnehmer der Walking Tour, die mit dem Auto da waren, anschließend sogar heimgefahren. Manche begleiteten uns auch noch zum Mittagessen. DSC_0233Wir gingen in ein kleines „Restaurant“, was eigentlich ein privates Wohnzimmer ist, in dem eine Frau für wenig Geld richtig leckeres indisches Essen kocht. Es gab Dal und Bohnen mit Reis und Chapati und dazu einen leckeren süßen Lassi. Das Joghurtgetränk hat den Nebeneffekt, dass es ziemlich gut die Schärfe lindert, was ganz praktisch sein kann.

Nachmittags beim Seminar auf der Dachterrasse, redeten wir über das Arbeiten in Indien und kleine Unterschiede zu Deutschland.

Anschließend hatten wir noch eine Stunde Hindi Unterricht. Wir lernten schon einige Verben und wie man diese im Präsens konjugiert. Wir haben uns alle dazu entschieden den Hindi-Kurs weiter zu machen und werden nun jeden Montag- und Donnerstagabend Hindi-Unterricht haben.

Nach der Hindi-Stunde, hatten wir wieder eine Yoga-Stunde auf der Dachterrasse. Auch Yoga würde ich sehr sehr gerne weitermachen hier in Indien…

Tschüss Deutschland – Namaste India!

Screenshot_2015-08-16-20-55-08 (2)Es ist noch nicht einmal eine ganze Woche her, seit ich mich von meiner Familie und meiner besten Freundin am Frankfurter Flughafen verabschieden musste. In dieser kurzen Zeit habe ich jedoch schon so Vieles erlebt, dass es mir viel länger vorkommt. Ich habe sehr sehr viele neue Eindrücke gesammelt und bin leider noch nicht früher dazu gekommen, euch davon zu berichten. Da es mir aber wie immer sehr schwer fällt mich kurzzufassen und ich auch ungern so Vieles weglassen möchte, fange ich nun einfach von vorne an zu erzählen und in den nächsten Tagen werden weitere Berichte folgen🙂

IMG_0202Am Donnerstag, den 13. August um 11 Uhr traf ich mich mit meinen Mitfreiwilligen von Volunta am Frankfurter Flughafen. Wir konnten uns bereits im Juli bei einem zwölftägigen Vorbereitungsseminar in Wiesbaden kennenlernen und verstehen uns zum Glück alle sehr gut. Ich habe mich total gefreut sie alle wiederzusehen und war total aufgeregt und voller Vorfreude auf das bevorstehende Jahr. DSC_0181 (2)Ich hatte aber auch richtig Panik, dass mein Koffer zu viel wiegen würde, oder dass sonst irgendetwas schieflaufen könnte. Jedoch ist zum Glück alles glatt gelaufen und mit etwas Verspätung sind wir schließlich Richtung Indien abgeflogen. Wir hatten einen sehr angenehmen und entspannten Flug und genossen die Vorzüge eines Lufthansa-Langstreckenfluges, wie beispielsweise die große Auswahl an Filmen, DSC_0176Serien und Musik. Nach etwas weniger als acht Stunden in der Luft, sind wir schließlich gegen ein Uhr Ortszeit in Mumbai gelandet. Das erste das mir auffiel als ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, war der bunte, gemusterte Teppichboden des Flughafengebäudes. Ich fand das Muster wunderschön und weiß noch, dass ich gedacht habe, dass so ein auffälliges buntes Muster wohl kaum in einem Flughafen in Deutschland zu finden wäre. Das schöne bunte Muster hat meine Vorfreude auf Indien noch verstärkt und ich wurde immer aufgeregter. Als wir die Arrival Card für einreisende Ausländer ausgefüllt hatten, durch die Passkontrolle waren und unseren Einreisestempel bekommen hatten, warteten wir auf unsere Koffer und konnten nach einer weiteren Kontrolle unseres Handgepäcks schließlich aus dem Flughafen treten. Dabei ist uns eine atemberaubende, schwül-feuchte Hitze entgegengeschlagen. Während ich noch Atemprobleme hatte, haben uns unsere drei Fahrer schon entdeckt und begrüßten uns herzlich, obwohl sie schon über zwei Stunden auf uns gewartet hatten.. Auch wenn es bis zu den Autos nicht weit war, war ich bis dorthin schon klatschnass geschwitzt. Unser Fahrer Sandeep drehte die Klimaanlage voll auf, sodass es im Auto bald eiskalt war. Und schon war ich wieder froh, meinen dicken Schal dabei gehabt zu haben… Die ca. vierstündige Fahrt vom Flughafen in Mumbai nach Pune, war schon das erste Abenteuer. Weil wir nachts ankamen und es dunkel war, konnten wir leider nicht sehr viel von Mumbai und der Umgebung sehen. Jedoch bekamen wir gleich mit, wie es in Indien im Straßenverkehr läuft. Nicht nur der Linksverkehr hat mich anfangs verwirrt, sondern auch, dass dauernd gehupt und aufgeblendet wird. Bisher habe ich Hupen im Straßenverkehr als sehr aggressiv, als „aus dem Weg!“, als sich beschweren, sich über andere Verkehrsteilnehmer aufregen oder diese zurechtweisen wollen, kennengelernt. In Indien hat das Hupen allerdings gar nichts Egoistisches oder Aggressives an sich. Hupe und Lichthupe sollen lediglich die anderen Verkehrsteilnehmer warnen und bedeuten in etwa soviel wie „Achtung, ich komme!“, „Vorsicht, jetzt bloß nicht die Spur wechseln!“, „Ich bin hinter dir und werde dich gleich überholen“. Dieses System funktioniert auch sehr gut, vor allem auf der Autobahn. Die meisten größeren Autos bitten sogar darum, dass man hupt / sie warnt. Bei sehr vielen Trucks kann man hinten die Aufforderung „Horn please!“ / “Please blow the horn!“ (Bitte hupen!) lesen. Auch wenn Sandeeps Fahrstil am Anfang etwas befremdlich für mich war, hatte ich überhaupt keine Angst und vertraute ihm und seiner Erfahrung auf indischen Straßen. Kurz vor Pune legten wir eine kurze Pause ein und Sandeep spendierte uns unseren ersten richtigen indischen Chai. Chai ist Schwarztee mit verschiedenen Gewürzen, Milch und Zucker. Der kleine Becher dampfte und roch seeehr gut! Das süße heiße Getränk war genau das, was ich nach der langen Reise brauchte, ich liebte den Geschmack sofort.

IMG_0272Um ca. sechs Uhr morgens kamen wir am Guesthouse im Stadtteil Koregaon Park in Pune an, das für den ersten Monat unser Zuhause sein wird. Unsere Wohnung besteht aus zwei Zimmern mit je einem Badezimmer, einer offenen Küche mit einem kleinen Tisch und angeschlossenem Wohnbereich mit Sofas. IMG_9924Wir waren alle total müde und erschöpft von der Reise und ich wollte einfach nur noch schlafen. Unsere Mentorin Ilka kam gleich noch vorbei und begrüßte uns kurz. Sie verkündete auch, dass das On-Arrival-Seminar gleich am Morgen starten würde und somit konnten wir nur knapp 3 Stunden schlafen, bevor der erste Tag in Indien für uns begann. Ich fiel total erschöpft ins Bett und schlief ein, während vor unserem Fenster die Stadt langsam erwachte..